Geoarchäologie

Landschaftsformen, Sedimente und Böden als Quellen zur Umweltrekonstruktion
prähistorischer Siedlungen und deren Umfeld.

Im Rahmen archäologischer Prospektionen und Grabungsmaßnahmen liefern seit einigen Jahren verstärkt auch geowissenschaftliche Methoden aus Geologie, Bodenkunde und Geomorphologie Informationen zu archäologischen Fragestellungen.

Diese Forschungsdisziplin ist die „Geoarchäologie“.

Zu ihren Aufgaben zählt, vor allem geowissenschaftliche Informationsquellen zur Geschichte einer Landschaft und ihrer anthropogenen Nutzung auszuwerten, um Hinweise auf die Umwelt des Menschen und auf die wechselseitige Beeinflussung in prähistorischer und historischer Zeit zu gewinnen. Dazu werden innerhalb von archäologischen Fundstellen (on-site), wie auch außerhalb (off-site), so genannte „Geoarchive“ gesucht und genutzt, in denen zum Teil Jahrtausende alte Ablagerungen erhalten blieben. Zu den Geoarchiven zählen u.a. Siedlungshorizonte, Grubenfüllungen, Bodenrelikte, Bodenab- und -auftrag (Kolluvien, Auelehme), Flussterrassen, ehemalige Bach- und Flussrinnen, Seen, Moore und Küstenablagerungen.

Spätglaziales Geoarchiv im Ohmtal bei Kirchhain. Vor ca. 12.900 Jahren entstanden nach dem Ausbruch des Laacher See Vulkans in der Osteifel durch nordwestliche Winde auch im
Lahn- und Ohmtal mächtige Tephralagen (= Vulkanasche). Weiße äolisch abgelagerte Straten und graue fluvial zusammengespülte Horizonte, überlagern spätglaziale Torfe eines lokalen Niedermoors.

Sandige und organogene Flussrinnen-Sedimente unter Auelehm der Wohra als Ansatzpunkte zur Rekonstruktion der Landschaftsgeschichte.Die Pfahlreste weisen nach archäologischen Untersuchungen und dendrochronologischen Datierungen auf einen latènezeitlichen Flussübergang hin. Grabung Kirchhain-Niederwald, Kiesgrube.

10.000 Jahre Siedlungs- und Umweltgeschichte in on-site- Geoarchiven der Grabungsfläche Weimar-Niederweimar, Kiesgrube: Tiefschnitte durch ehemalige Geländesenken erschließen Sedimente und Siedlungshorizonte seit der Zeit mesolithischer Jäger und Sammler. Dunkel zeichnen sich im Profil Siedlungshorizonte und Bodenabtrag (Kolluvien) der Bronze- und Eisenzeit ab.

Um die in den Geoarchiven gespeicherten Informationen aufzuschließen und für eine Landschaftsrekonstruktion zu nutzen, greift die Geoarchäologie auf Ansätze, wie die Geomorphologie, die Sedimentologie, die Pedologie, die Stratigraphie und die Geochronologie zurück. Sie nutzt dabei auch archäologische, archäobotanische und archäozoologische Quellen.

Spurensuche zu vor- und frühgeschichtlichen Landschaften

Erodierte und begrabene Bodenhorizonte: In Kuppenlage ist eine Schwarzerde, der ehemalige Boden auf Löss, zum Teil vollständig erodiert. In Hangposition wird sie durch Kolluvien überdeckt. In der Bachaue geht sie in eine Feuchtschwarzerde über. Geoarchiv aufgeschlossen durch eine Gas-Pipeline im Amöneburger Becken bei Amöneburg-Mardorf.

Besonders seit der Mensch die dichten Wälder gerodet und die Böden zum Feld- und Ackerbau nutzt, und das ist in Mitteleuropa seit dem Neolithikum vor etwa 7500 Jahren der Fall, spielen Landschaftsveränderungen durch Bodenverlagerungen eine besondere Rolle. Ohne die schützende Vegetationsdecke kann Regen Bodenmaterial abschwemmen und in Senken, an Unterhängen oder in Tälern ablagern. Dieser Prozess, der in Mitteleuropa besonders seit dem Mittelalter das Bild unserer Landschaft unwiderruflich veränderte, hat in Lösslandschaften ein ehemals stark bewegtes Geländerelief in eine eher sanfte Hügellandschaft verwandelt. Das trifft auch auf die Talzonen der Flüsse zu, die heute durch den anthropogen verursachten Reliefausgleich vielfach relativ eben sind.

Diese, die mitteleuropäische Landschaft verändernden Prozesse, hatten auch Auswirkungen auf archäologische Befundschichten. Stellenweise, besonders an Oberhängen von Tälern können sie völlig erodiert sein, an anderer Stelle, wie an Unterhängen und in Senken und im Talgrund, durch Kolluvien oder Hochflutlehm überdeckt und so konserviert sein. (Lahntal-Projekt >>>)

Hier ist bereits im Vorfeld einer Grabung oder Prospektionsmaßnahme geoarchäologisches „know how“ gefragt, um die Projekt relevanten Informationen aus dem Boden herauszulesen. Dies kann durch die Nutzung natürlicher oder künstlicher Aufschlüsse, durch Bohrsondagen, durch die Anlage von Baggerplana und Baggerschnitten erfolgen.

So ist auch im Alltag der praktischen Bodendenkmalpflege ein Bedarf an kompetenter geoarchäologischer Beratung entstanden, der inzwischen durch die Empfehlung der deutschen Landesarchäologen in die allgemeinen Grabungsstandards aufgenommen wurde. (www.landesarchaeologen.de)

 

Geo Arch Bot bietet daher folgende geoarchäologische Spezialleistungen
für Bodendenkmalpflege, Grabungsfirmen,Museen und Forschungsinstitute:

  • Geoarchäologische Fachberatung, Gutachten im Vorfeld und im Laufe einer Grabungsmaßnahme
  • Selbstständige archäologische und geoarchäologische Prospektion gemäß denkmalpflegerischer Auflagen

Lineare Baumaßnahmen in der Landschaft, wie der Bau einer Gaspipeline, bieten durch ihre Kilometer langen Einschnitte in das Geländerelief hervorragende Ansatzmöglichkeiten für die archäologische und geoarchäologische Prospektion und Erforschung einer Landschaft. Das Bild zeigt ein Beispiel einer Pipeline-Trasse am Osthang des Roten Wassers bei Cölbe-Bürgeln (Kreis Marburg-Biedenkopf), die den Talhang bis in die Bachaue aufschloss.

  • Anlage von Baggerplana und Baggerschnitten

Archäologische und geoarchäologische Prospektion im südlichen Marburger Lahntal (Grabungsfläche Weimar-Niederweimar, Kiesgrube). Durch ein Baggerplanum aufgeschlossene archäologische Befunde der ausgehenden Bronzezeit.

Geoarchäologische Untersuchungen im unmittelbaren Umfeld der spätlatènezeitlich-älterkaiserzeitlichen Eisen-Produktionsstätte von Wetzlar-Dalheim (Fundplatz C86). Mit Hilfe eines Baggerschnitts am Unterhang zum Lahntal und zusätzlichen Rammkern-Sondierungen werden der Sedimentaufbau und das Paläorelief am Grabungsort untersucht, um eine detaillierte Ansprache und Interpretation der archäologischen Befunde zu ermöglichen.

  • Pürckhauer- und Rammkernsondierungen
  • Geologische und bodenkundliche Profilaufnahme
  • Kleinräumige geologische und bodenkundliche Kartierung
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Geologische und geomorphologische Kartierung im Umfeld der mesolithischen Fundplätze im Lahntal bei Weimar-Niederweimar. Die geoarchäologischen Untersuchungen wurden durch geochronologische
(14C-Altersdatierung) und archäobotanische Methoden gestützt (siehe Projekte).

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Geländerelief und Sedimentaufbau im Lahntal zwischen Lahnau-Atzbach und Wetzlar-Dutenhofen rekonstruiert aus Aufschlussaufnahmen und Bohrsondagen. Bedeckt unter mächtigen jung- und jüngstholozänen Auelehmen liegen: die Randsenke, Niederterrassenbereiche mit archäologischen Befunden und die Schotter und Hochflutlehme der prähistorischen Aue (siehe Projekte>>).

  • Laboranalytik
  • 1. Bestimmung von Sedimentparametern wie Korngrößen, Karbonat- und Kohlenstoffanteil, Phosphat
  • 2. Anfertigung und Interpretation von Dünnschliffen für Boden- und Sediment-Mikromorphologie
  • 3. Bestimmung botanischer und zoologischer Mikro- und Makrofossilien (Früchte, Samen, Pollen; Mollusken, Ostrakoden, Foraminiferen)
    • Dokumentation / Bestimmung / Auswertung


    Literaturhinweise:

    Goldberg, P. & Macphail, R.I. (2006): Practical and theoretical geoarchaeology. 454 p. Blackwell Publishing.
    Brown, A. G. (1997): Alluvial geoarchaeology. Floodplain archaeology and environmental change. 377 p. Cambridge Manuals in Archaeology. Cambridge University Press.